Cognitive Science > Motivation und Persönlichkeit > Stressbewältigung

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Contents

[edit] Bottom up vs. Top down

  • Top down: Neocortex hemmt Unpassendes
  • Bottom up: Unter Stress geht kontextadäquate Steuerung verloren
  • Maslow Bedürfnishierachie (1954):
    1. Physiologische Bedürfnisse (Schlafen, Essen, Trinken, Fortpflanzung …)
    2. Sicherheit und Geborgenheit
    3. Soziale Einbindung
    4. Selbstwert
    5. Selbstverwirklichung
    • Bottom-up Annahme
    • Elementare Bedürfnisse haben Vorrang gegenüber Höheren
    • Empirische Bestätigung fehlt (es gibt top-down Einflüsse von höheren auf untere Steuerungsebenen)
Selbstverwirklichung != Ich-Verwirklichung

[edit] Freud

[edit] Freuds Wurzeln

  • verehrte Physik
    • wollte Energieerhaltung auch auf psychische Ebene anwenden
    • aber: Logik ziemlich hilflos gegenüber dem Gefühl
  • Grundansatz Therapie: Affekte, die mit Objekten verbunden sind, lösen und auf andere Objekte übertragen
  • Freuds Wurzeln: Charcots Neurosenlehre (Anfänge der Psychoanalyse durch ihn geprägt)

[edit] Neurosenlehre

  • "Hysterie": griech. Uterus (trat bei Frauen häufiger auf)
    Hysterie ist ein Beispiel für körperliche Symptome mit psychischen Ursachen.
  • Hysterische Symptome entstehen durch frühkindliche (sexuelle) Traumata
    Bsp.: Taubheit von Körperteilen, hysterische Blindheit, psychogene Gangstörungen
  • Hysterische Persönlichkeit imitiert andere(s)
    "non-verbale Induktion falscher Gefühle"
    Mutter inszeniert Freude --> Kind übernimmt irgendwann dieses Gefühl, obwohl es selbst möglicherweise traurig ist.

[edit] Stufenmodell der Bedürfnisbefriedigung

Phase Entwicklung Charakter
Geburt - 18 M., "Oral" Bedürfnisbefriedigung, beteiligt den Mund Abhängigkeit, Alkoholismus, Übergewicht
18 M. - 3 J., "Anal" Freude am Hervorbringen, Erlernen von Kontrolle übertriebene Kontrolle (Zwang), Bervormundung, Zerstörungswut, Leistungsorientierung, Kreativität
3 J. - 5 J., "Phallisch & Ödipal" Geschlechtsorgan als erogene Zonen, libidinöse Besetzung anderer (Ödipus- & Elektrakomplex) dominantes (Macho-) Verhalten, lasziv-verführerischer Stil
6 J. - 16 J., "Latenzphase" Sexuelle Bedürfnisse treten in den Hintergrund
Jugend- bis Erwachsenenalter, "Genital" Prinzip der Gegenseitigkeit (Geben und Nehmen) Entwicklungsideal

[edit] Empirische Überprüfung Freuds oraler Hypothese

untersucht an Übergewichtigen
  • Methode
    • "Tintenkleckstest"
      • Was sieht du?
    • "TAT" (Thematischer Apperzeptionstest)
      • Bilder statt Kleckse
      • Geschichten erfinden
      • Freud: halluzinatorische Wunscherfüllung
  • Ergebnisse
    • Kleckse: sehen Mund; Versorger
    • TAT: passiv, abhängig, hilflose Menschen
      "Oraler Sadismus": werde nicht versorgt, sondern belastet --> "Belastungsschema"
  • Diskussion
    Beweisen diese Befunde, dass orale Frustration im Kindesalter spätere orale Fixierungen, Hilflosigkeit, Abhängigkeit und oralen Sadismus verursacht?
    Cori: pfff...dass Übergewichtige schnell an "Mundversorgung" denken, ist trivial
    Abhängigkeit kann auch Ursache sein

[edit] Angsttheorien

  • Traumatheorie
    • Angst ist die Folge ins Bewusstsein drängender traumatischer Erinnerungen, die seit der frühen Kindheit verdrängt sind.
    • Trauma --> Verdrängung --> Angst & Symptome
    • Kritik: infantile Amnäsie entsteht, weil der Hippocampus erst später reift
  • Triebunterdrückungstheorie
    • Angst ist eine Ich-Funktion zur Warnung vor Gefahren
    • verbotener Impuls, Gefahr --> Angst (real neurotisch) --> Verdrängung --> Symptome
    • Kritik:
      • Patient steht vor der Anklagebank aufgrund seiner seltsamen Triebwünsche etc.
      • "sekundärer Krankheitsgewinn" (was will Patient mit Krankheit bewirken)
  • Andere Sichtweisen
    • Angst verursacht Rückfall auf ontogenetisch frühere Entwicklungsphasen (Regression)
    • modern: Stress blockiert Hippocampus und top-down Steuerung
    • Worin liegt der Anpassungswert von regression? --> Nützlich, mal nicht "erwachsen" zu handeln?
    • --> Wer in einer Umwelt mit unvorhersagbaren Gefahren das Vorhersagesystem eingeschaltet lässt, lebt nicht lange.

[edit] Topographisches Modell

Das topographische Modell besteht aus Bewusstsein, Vorbewusstsein und Unbewusstsein.
  • Eisbergmodell:
    Die Spitze des Eisbergs ist das Bewusstsein, der Teil, den man unter der Wasseroberfläche gerade noch sehen kann ist das Vorbewusstsein und der größte Teil, der unter Wasser ist, ist das Unbewusstsein.
  • Einbahnstraßen-System:
    Inhalte aus Bewusstsein und Vorbewusstsein können ins Unbewusste gelangen, aber nicht wieder heraus . Dieser Prozess findet nur in den ersten Lebensjahren statt.
  • Zwischen Bewusstsein und Vorbewusstsein ist ein Austausch möglich.
  • Das Vorbewusstsein steht mit dem impliziten Gedächtnis in Zusammenhang, ist rechtshemisphärisch angesiedelt.

[edit] Es, Ich und Über-Ich

[edit] Strukturmodell

  • Es
    Egozentrisches kleines Kind, das Triebe befriedigen will.
    • ab der Geburt vorhanden
    • beinhaltet vererbte instinktive und primitive Persönlichkeitsaspekte
    • "Motor der Persönlichkeit"
    • Ursprung des Lustprinzips und der gesamten Energie (Libido)
    • Sitz des Unbewusstseins
  • Ich
    Soll zwischen unbewussten Triebwünschen und sozialen Normen und Werten vermitteln.
    • entsteht aus "ES", bezieht seine Energie aus ihm
    • Aufgabe, die "Es"-Impulse durch Berücksichtigung der externen Umwelt effektiv auszudrücken, d.h. Aufschub der Entladung der "Es"-Energie, bis das passende Objekt dazu gefunden ist.
    • rationaler Part der Persönlichkeit
    • beinhaltet Bewusstsein und Vorbewusstsein
  • Über-Ich
    Moralische Instanz, Gewissen
    • Verkörperung gesellschaftlicher & elterlicher Werte
    • immer auf Suche nach moralischer Perfektion
    • Subsysteme:
      • Ich-Ideal (Regeln für gute Verhaltensstandards; intrinsische Motivation, positiver Affekt)
      • Gewissen (Regeln für schlechte Verhaltensstandards; extrinsische Motivation, negativer Affekt)
    • in allen Bewusstseinsebenen vorhanden

[edit] ES vs ICH in Objektbesetzungen

  • Primärprozess
    Er erstellt eine Vorstellung vom Bedürfnis und einen Weg zu dessen Befriedigung, dient also der Wunscherfüllung. BEACHTE: Es findet hier keine Unterscheidung zwischen Realität und Vorstellung statt! Er arbeitet er auf der Grundlagen von neuronalen Netzwerken, d.h. er ist ein parallel verarbeitendes Netzwerk.
  • Sekundärprozess
    Rationale Suche nach einem Objekt, das den Wunsch/das Bedürfnis befriedigen kann. Keine parallele Verarbeitung, sondern reduktionistisch, zeitlich gebunden, sequentiell.
  • Es-vermittelte Objektbesetzung:
    Durch den Primärprozess wird die unbewusste Vorstellung eines Objektes geformt, dass die Bedürfnisse befriedigen kann. � Weit gefasste Objektbesetzung.
  • Ich-vermittelte Objektbesetzung:
    Durch den Sekundärprozess kommt es zu einer rationalen Suche nach einem realen Objekt für die Bedürfnisbefriedigung. Reduzierte Objektbesetzung nach dem Realitätsprinzip.

[edit] moralische vs. neurotische Angst

  • Neurotische Angst:
    • Konflikt des Es
      Angst, daß die Es-Impulse außer Kontrolle geraten und man dadurch einer Bestrafung ausgesetzt wird.
  • Moralische Angst:
    • Konflikt des Über-Ich
      Angst die entsteht, wenn man verinnerlichte Moralvorstellungen verletzt hat oder im Begriff ist sie zu verletzen.

[edit] Infantile vs erwachsene Triebbefriedigung

[edit] Infantile Triebbefriedigung: Lustprinzip (Primärprozess)

  • vgl dorsales Wahrnehmungssystem, Parallelverarbeitung

[edit] Erwachsene Triebbefriedigung: Realitätsprinzip (Sekundärprozess)

  • Bewusstmachen verdrängter Triebwünsche soll Symptome beseitigen
  • (Analytisches) ICH soll sozial akzeptable Wege der Triebbefriedigung finden
  • Analytische Formen des problemlösenden Denkens unterstützen Ich-Funktion

[edit] Kann Psychoanalyse das Erleben verändern?

[edit] Experiment Dawson & Schell

  • Setup
    • Schockkonditionierte Wörter wurden in das rechte bzw. linke Ohr eingespielt, während das jeweils andere zu beachten war ("dem Unbewussten zugeführt")
    • Bei versehentlichem Aufmerksamkeitswechsel sollte eine Taste gedrückt werden
    • Unabhängige Variable: Schockwort vs neutrales Wort
    • Abhängige Variable: Elektrodermale Reaktion
  • Ergebnis
    • Nur bei Versuchsbedingung Schockwörter in nicht-beachteten linksseitigen Kanal eingespielt Reaktion bei Schockwörtern höher
    • Broca: I.d.R. linke Hemisphere
  • Interpretation
    • Rechte Hemisphere stärker mit autonomem Nervensystem vernetzt
    • Veränderung von Gefühlen in Therapie _nicht_ durch reines Analysieren
    • Stattdessen: Mehr erlebniszentrierte Elemente in Therapie
    • Emotionales Wort kommt nicht in linke Hemisphere, weil dort bereits das zu beachtende Wort angekommen ist
    • Emotionales Wort kann aber von rechter Hemisphere aus emotionale Reaktionen auslösen

[edit] Kritik der analytischen Vorgehensweise durch Fritz Perls (1973, Begründer der Gestalttherapie)

  • Emotionales Durchleben kritischer Ereignisse wichtiger als Analysieren verbotener Triebwünsche
  • Alte Situationen reinszeniert, wenig analysiert
  • Analytische Art: "mind fucking"
  • Karl Kraus: "Psychoanalyse ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält."

[edit] Abwehrmechanismen

  • Fixierung und Regression
    Beharren auf Verhaltens- und Vorstellungsweisen
  • Projektion
    "Du bist so aggressiv"
  • Verleugnung
    "ICH BIN NICHT WÜTEND!"
  • Isolierung
    "Ich könnte sie umbringen." (Kognitiver Inhalt zugelassen, ohne Affekt, Intellektualisierung)
  • Ungeschehenmachen
    z.B. zwanghaftes Abschalten des Stroms bei Selbstmordfantasien
  • Reaktionsbildung
    Überfürsorglichkeit bei unbewussten Hassgefühlen
  • Rationalisierung
    Rechtfertigung unakzeptabler Handlungen und Gefühle
  • Sublimierung
    Befriedigungsobjekt wird durch kulturell Höheres ersetzt
  • Intellektualisierung
    Überbetonung des Denkens

[edit] Empirische Zusammenhänge zwischen Kennwerten für Regression und Persönlichkeitsfaktoren

[edit] Affektsensibilität vs. Affektregulation

  • Represser
    Personen, die mit Bedrohung assoziierte Reize vermeiden oder deren Existenz leugnen.
  • Sensitizer
    Personen, die sich mit Bedrohung assoziierten Reizen zuwenden, ihnen Aufmerksamkeit schenken, sich also intensiv mit ihnen beschäftigen.
  • Handlungsorientiert vs. Lageorientiert
  • Bsp.: "Die Hausarbeit muss überarbeitet werden!"
    • Handlungsorientiert = "Ist zwar Arbeit, aber kann ich machen."
      • rasche Herabregulierung negativen Affekts
    • Lageorientiert = "Warum, was mache ich nur falsch?"
      • Lage bleibt: grübeln
  • LOs zeigen bei komplexen Aufgaben ohne Zeitdruck bessere Ergebnisse
  • LOs können mit Zögern und Nachdenken in kompl. Situationen nicht sofort erkennbare Risiken ausfindig machen
    Lageorientierung wird erst dann nachteilig, wenn der Wechsel zur Handlungsorientierung nicht gelingt, auch wenn es höchste Zeit wäre zu handeln.
  • Vergleich HO / Repression
    • HO: Beseitigung neg. Affekts durch Selbstkonfrontation mit Ursache
    • R : ohne Selbstkonfrontation (z.B. Flucht in pos. Affekt)

[edit] Hippocampus

Der Hippocampus fügt Informationen aus allen Sinnes- und Gedächtnissystemen zu kognitiven Landkarten zusammen, er ist für alle konfigurativen Repräsentationen wichtig:
  • räumliche Orientierung
  • Pläne: organisierte Handlungssequenzen
  • soziale Netzwerke
  • episodisches Gedächtnis
    • "episodische Integration": integriert viele Einzeleindrücke zu einem Gesamtbild einer erlebten Episode
  • integrierte Selbstrepräsentationen
  • durch moderate Emotionen aktiviert
  • ab einer (individuell variierenden) kritischen Stressintensität gehemmt
    Stressreduktion: Eine Hippocampusaktivierung führt über eine Hemmung der Cortisol-Ausschüttung durch die Nebennierenrinde zu einer Reduktion der Cortisolkonzentration.
  • vermittelt die top-down Modulation von einfachen affektiven Reaktionen durch konfigurative Reize

[edit] Großvati Kuhl

  • Sprüche des Tages
    • "muss ja nich stimmen, hört sich auch so gut an"
  • Allerliebste Textstellen des Kapitels
    • "Tiefere persönliche Begegnung wird in der Mediengesellschaft durch Quantität oberflächlicher Kontakte ersetzt" -- Kapitel 4, Seite 42
      Siehe hierzu auch Abschnitt 2.5.2: "Beruht postmoderne Beliebigkeit auf Übererregung?"